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Topografie der Sehnsucht
Adern der Landschaft, Wurzeln der Erinnerung

In dieser Arbeit richte ich meinen Blick zum Himmel – oder vielmehr: von oben zurück zur Erde.

Die Serie zeigt Luftaufnahmen Patagoniens, die die Landschaft in abstrakte Formen, Linien und Farbfelder verwandeln. Hier wird die Natur selbst zur Malerin: Flüsse verzweigen sich wie Adern, Täler fließen wie weiche Pinselstriche, und das Grün und Blau der Erde strahlt eine beinahe überirdische Intensität aus.

Diese Luftperspektiven eröffnen eine neue Sicht auf meine Heimat – einen Ort, an dem Realität und Abstraktion verschmelzen und an dem sich die Kraft der Farbe als eigene poetische Sprache entfaltet.

 

Diese Werkserie ist in meiner persönlichen Geschichte verwurzelt. Die Bilder entstanden 2007 in Chaitén, einem der abgelegensten Orte Chiles. Umgeben von dichtem Regenwald, Fjorden, Flüssen und Vulkanen ist das Dorf nur über eine zwölfstündige Fährfahrt nach Puerto Montt oder über eine zweitägige Reise durch Argentinien erreichbar – oft unterbrochen von Schnee, Erdrutschen oder Stürmen. Ein kleines Flugzeug bietet einen dritten Weg hinein oder hinaus: ein einstündiger Flug, manchmal friedlich, manchmal gefährlich.

 

Diese Landschaften tragen die Farben meiner Kindheit in sich: die Töne des Verlassens von Isolation und des Heimkehrens. Sie sind leuchtend und lebendig, zugleich aber von Gefahr geprägt. In dieser Region stürzen kleine Flugzeuge häufig ab – jede:r kennt jemanden, der am Himmel verloren ging.

 

Für mich war meine Heimat immer etwas Abstraktes – eine Mischung aus Schönheit und Härte, aus Abgeschiedenheit und Wärme. Die Flüsse, die ins Meer fließen, gleichen den Adern der Erde: Sie nähren, sie tragen, sie halten sie am Leben.

Contrast 2025
LichTraum 1

Die dritte Ausgabe der Ausstellung Kontrast präsentiert zehn herausragende Künstler:innen, die das Leben durch ihre Linsen einfangen – oder es zumindest versuchen. Dabei treten sie in einen lebendigen Dialog mit den Besucher:innen und laden dazu ein, Teil der Reflexionen, Szenen und Emotionen zu werden, die in ihren Arbeiten nachklingen.

Das Wesen der Fotografie ist das Leben selbst.

 

Kontrast 2025 vereint erneut Fotograf:innen aus unterschiedlichen Genres und nationalen Hintergründen. Von Landschaftsfotografie bis hin zu abstrakten Bildern, die wie von der Natur selbst geschaffen wirken, zeigt die Ausstellung die immense Vielfalt fotografischer Ausdrucksformen.

 

Fotografie ist weit mehr als ein technischer Akt. Hinter jedem Bild steht ein Konzept, hinter jeder Kamera ein Mensch, der einen Moment des Lebens durch die Linse einfängt oder bewusst inszeniert. Ob analog oder digital: Fotografie verlangt Wissen, Sensibilität und Hingabe.

 

Die Ausstellung präsentiert Werke, die das Auge verführen, die Narben der Seele offenlegen und die Verspieltheit der Natur zeigen – selbst dort, wo die Menschheit glaubt, die Kontrolle zu haben – ebenso wie die rohe Kraft unserer Emotionen. Bilder, die zu verblassen scheinen, und andere, die nur durch die Linse der Erinnerung sichtbar werden.

 

Fotografie ist nicht nur ein Medium.

Fotografie ist eine bildende Kunst.

 

Sonia Siblik - Kuratorin

Chaitén ist ein Ort, an dem Schönheit und Rauheit untrennbar ineinandergreifen. Abgelegen und zugleich von einer stillen Offenheit geprägt. Gezeichnet von Flüssen, die sich wie Erinnerungsadern durch die Landschaft ziehen, von Gefahr, von Geschichte. Seine Linien und Farben sind Wege des Erinnerns, des Suchens und des Heimkehrens

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